Grundeinkommen

... bedingungslos kreativ für Marburg

Eigentlich schlittern wir ja in den letzten Jahren von einer Krise zur nächsten: Finanzkrise, Klimakrise, Corona-Krise. Da müssten wir uns eigentlich langsam an solche Situationen gewöhnen. Die Corona-Krise hat aber eine ganz besondere Qualität: Nicht nur, dass sie jeden Einzelnen spürbar getroffen hat, oder dass sie uns damit konfrontiert, wie wir uns im Spannungsfeld zwischen Egoismus und Altruismus bewegen – ich finde, dass sie uns durch die unfreiwillige Isolation wie eine meditative Auszeit, die Chance zur Entwicklung ganz neuer Ideen und Perspektiven bietet.

 

Gerade die "progressive Provinz" einer Universitätsstadt wie Marburg, hat das Potenzial, neue Wege mit wissenschaftlicher Genauigkeit auszuprobieren und zu untersuchen. Die Trends, die Zukunftsforscher Matthias Horx durch Corona angestoßen sieht, sind vielfältig: In Themenbereichen wie Ökologie, Mobilität, Gesundheit, Altersstruktur, Globalisierung und Individualisierung entwickeln sich auf der Basis der Pandemieerfahrung rasant ganz neue Ansätze. Die Krise macht es möglich, dass wir uns von alten Gewohnheiten und Sicherheiten lösen können und bereit sind, neue Wege auszuprobieren.  

 

Im bedingungslosen Grundeinkommen steckt möglicherweise ein solcher Weg. Studien zeigen, dass die Zustimmung zu der Idee eines BGE seit Beginn der Pandemie deutlich gewachsen ist. Fand das Grundeinkommen bereits zu Beginn der Pandemie Zuspruch von ungefähr der Hälfte aller Deutschen, so würde ich inzwischen von Zustimmungswerten um die 60% ausgehen.

 

Das bedingungslose Grundeinkommen wird genau mit jenem Bedürfnis nach Sicherheit verbunden, dass in der aktuellen Krise ins Wanken gekommen ist. Gleichzeitig stellt es statt dem Streben nach materiellem Wohlstand eher den Wunsch nach ausgewogener Work-Life-Balance, nach Zufriedenheit, Freiheit und Gesundheit in den Fokus menschlicher Grundwerte.