Grundeinkommen

... bedingungslos kreativ für Marburg

Kann das bedingungslose Grundeinkommen den Klimawandel aufhalten?

 

Einer der wesentlichen Faktoren für die übermäßig CO2-Produktion der Menschheit ist das gesteigerte Bedürfnis nach immer mehr Konsum und Bequemlichkeit, angeheizt durch eine gewaltige Werbemaschinerie, die uns Dinge schmackhaft macht, die wir eigentlich gar nicht benötigen. Warum aber sind wir dafür überhaupt empfänglich? Die Werbebranche findet in immer hinterhältigerer Weise sehr genau heraus, wo wir unsere mentalen Schwächen, Defizite, Unzufriedenheiten, aber auch unsere Sehnsüchte und Bedürfnisse haben. Geschickt wird uns anhand solcher Informationen passgenau vorgegaukelt, wie wir diese Bedürfnisse mithilfe bestimmter Waren, Events oder Dienstleistungen befriedigen können.

 

Je unzufriedener wir sind, je mehr wir unter Leistungsdruck und Stress stehen, desto umfangreicher wird unsere Bedürfnispalette.

2017 haben US-amerikanische Forscher in einer Studie herausgefunden, wie Konsum und Unzufriedenheit direkt zusammen hängen. Umgekehrt führt nun aber ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung zu mehr Zufriedenheit. Nun liegt es auf der Hand, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen jedem einzelnen Menschen mehr Freiheiten gibt, zu entscheiden, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Eine aktuelle Auswertung des finnischen Modellversuches zum BGE weisen auf signifikante Verbesserungen bei Zufriedenheit und Wohlbefinden hin. Das Vertrauen in die Zukunft, eigene Fähigkeiten oder in unterschiedliche Institutionen stieg messbar bei den Probanden an, während Stressanzeichen und Depressionssymptome zurück gingen.

 

Es wäre also langfristig zu erwarten, dass eine Gesellschaft, die das bedingungslose Grundeinkommen etabliert hat, weniger umweltschädliche Konsumgüter produzieren muss, sondern sich verstärkt auf den Erwerb essenziell notwendiger Dinge fokussiert.

Zu erwarten ist außerdem ein Rückgang des Individualverkehres, denn wenn die Arbeit flexibler und wahrscheinlich auch kürzer wird, wenn es keinen Zwang mehr gibt, einen Arbeitsplatz zu wählen, der schwierig und mit großem Zeitaufwand erreichbar ist, dann wird die allmorgendliche Rush-Hour zu einem Relikt der Vergangenheit werden. Auf kurzen Distanzen wird der nichtmotorisierte Individualverkehr in den Vordergrund rücken und auch im ÖPNV lassen sich die Ströme besser bündeln.

Ganz generell würde schon eine Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitszeit um nur 1 % (wie sie bei einer Einführung des BGE mindestens zu erwarten wäre) auch zu einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes von 0,8 % führen (schwedische Studie von 2015).

 

Nicht zuletzt ist zu Erwarten, dass das BGE neue kreative Prozesse in Gang setzen dürfte und innovative Ideen, Konzepte, aber auch Produkte und Dienstleistungen hervorrufen dürfte. Die Freiheiten, die ein BGE gewährt werden zu neuen politischen Initiativen und demokratischeren Entscheidungsprozessen führen, die eine Bewegung wie Fridays for Future schneller zu politischen Entscheidungen und zu konkretem, zeitnahem Handeln verhelfen dürfte.