Grundeinkommen

... bedingungslos kreativ für Marburg

Wenn man anfängt sich intensiver mit dem Thema "bedingungsloses grundeinkommen" zu befassen, kommt man an einer Persönlichkeit mit Sicherheit nicht daran vorbei: Der langjährige Geschäftsführer und Gründer der Drogeriemarktkette dm, Götz Werner begann bereits 4 Jahre vor Susanne Wiest, sich öffentlich für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu engagieren. Das war für mich umso erstaunlicher, weil ich die grundeinkommensidde zunächst für völlig unvereinbar mit den Aufgaben wirtschaftlicher Unternehmensführung hielt. Mittlerweile ist mir klar, dass auch Unternehmen von einer gesteigerten Kaufkraft deutlich profitieren könnten.

Von Götz Werner habe ich gelernt, dass es schwierig wird, die genauen Auswirkungen eines BGE nach wissenschftlichen Kriterien vorauszuberechnen wollen. Das Entscheidende ist nicht, dass man Armut möglicherweise durch so ein Konzept vermeiden kann, sondern dass mit der Einführung eines BGE ein Paradigmenwechsel eingeleitet wird. So wie die Erde dank Nikolaus Kopernikus aufhörte, den Mittelpunkt unseres Universums zu bilden, so scheint im Moment die klassische Erwerbstätigkeit aufzuhören, den Mittelpunkt unseres Alltagsleben zu bilden oder das Anhäufen und Konsumieren von Wohlstandsgütern, den Mittelpunkt gesellschaftlichen Zusammenlebens zu verlassen.

Paradigmenwechsel bedeutet auch immer, dass man lernen muss, anders wahrzunehmen und anders zu denken, von alten Denkmustern loszulassen. Erst als die Mehrheit der Menschen begriffen hat, dass sie nicht mehr im Zentrum der Schöpfung standen, konnte wissenschaftliches Denken sich entfalten, der Mensch zu neuen Freiheiten gelangen und neue Formen der Religiosität entwickeln. Vielleicht stehen wir erneut vor so einer Schwelle zu neuen Freiheiten und zu mehr Menschlichkeit.