Grundeinkommen

... bedingungslos kreativ für Marburg

Wie gelingt ein fruchtbarer Diskurs über das BGE?

 

 

Im Zusammenhang mit dem neuen Gesprächsgarten im Alten Botanischen Garten habe ich gerade gelernt, was Diskurs  im eigentlichen Sinne des Wortes bedeutet: Umherlaufen, sich zu den Standpunkten der Andersdenkenden begeben und deren Standpunkte mit all ihren Facetten erfahren.

 

Möglicherweise ist uns der gesellschaftliche Diskurs in diesem Sinne in den letzten Jahren immer mehr abhanden gekommen. Mittels Facebook und Whatsapp:wurde die Ausbildung von Denk-, Wahrnehmungs- und Realitätsblasen gefördert. Die Corona-Krise hat das vielleicht noch mehr auf die Spitze getrieben. Da prallen die Querdenker mit Schräg- und Geradeausdenkern aufeinander, reden in den schrillsten Tönen übereinander, aber nicht miteinander. Da gibt es absolute Wahrheiten, die der akdemischen Wissenschaft entspringen oder alternative Fakten, die aus dem weltweit vernetzten Wissensschatz mit Hilfe des eigenen Verstandes extrahiert worden sind. Und alle erscheinen im Lichte ihres Paradigmas logisch und sinnvoll.

 

Aber bringt uns diese Art von Dualität als Menschheit weiter? Können wir damit globale Krisen lösen, die unser Überleben als Spezies gänzlich infrage stellen? Ich kann es mir nicht vorstellen. Aus meiner Sicht werden gesunde Lösungsstrategien eher dadurch entwickelt, dass das Wahr-oder-Falsch-Prinzip überwunden, und das größere Ganze miteinbezogen wird. Das sind immer die Quantensprünge gewesen, die die Menschheit weiter gebracht haben.

 

Als Tag und Nacht aus der Perspektive des Weltalls betrachtet wurden, Himmel und Hölle zum göttlichen Universum verschmolzen, als die deutschen Fürsten ihre lokalen Interessen zugunsten eines mächtigen Staatenbundes zurückzustellten, waren das Schriite von denen Alle profitieren konnten.

 

Aber wie kann es gelingen, aus dieser Enge der Dualität hinaus zu finden? – Im therapeutischen Bereich versuchen wir, die unvereinbaren Elemente miteinander in den Dialog treten zu lassen, indem wir die Perspektive und die Rolle wechseln. Genau das verstehe ich inzwischen unter dem Begriff Diskurs.

 

Auch das bedingungslose Grundeinkommen birgt das Potenzial zum unversöhnlichen Kampf zwischen Befürwortern und Gegnern, zwischen Sozialträumern und Schwarzsehern. Komplexe Systemveränderungen können gar nicht, das rosarote Allheilmittel für alle unangenehmen Symptome unserer in die Sackgasse geratenen Kultur mit sich bringen. Wo geheilt wird, muss auch Abschied genommen und losgelassen werden. Das BGE wird zwangsläufig auch seine Schattenseiten mit sich bringen und es ist wichtig, dass wir ganz offen darüber frühzeitig in den Diskurs treten.

 

Dieser Modellversuch und das möglicherweise damit verbundene Bürgerbegehren, bietet vor allem eins: Die große Chance zum intensiven Diskus mit allen Menschen, die davon betroffen sind. Und da das bedingungslose Grundeinkommen wirklich für Jeden und Jede gedacht ist, muss der Diskurs auf die Straße und in die Internetforen geholt werden. Es darf nicht Wissenschaftlern, Fachleuten oder Politikern vorbehalten bleiben, BGE-Modelle zu entwickeln und einzuführen. Es müssen die Menschen selbst sein, die ihren Weg in eine neue Zukunft suchen und entwickeln.

 

Auch diese Homepage möchte ich gerne in den Dienst eines solchen Diskurses stellen.